Sehr geehrter Herr Jens Spahn

Sehr geehrter Herr Jens Spahn.

Erst einmal möchte ich Ihnen zu Ihrem neuen Amt als Gesundheitsminister gratulieren. Keine 40 Jahre alt und schon ein „großes Tier“ in der Regierung.
Hut ab. Ich habe mich nun seit dem 14.03.2018 etwas mit Ihrem Lebenslauf beschäftigt und möchte nochmals nachträglich, sowohl zum Bachelor (2008) als auch zum Master (2017) im Bereich Politikwissenschaften, an einer renommierten Fernuniversität gratulieren.
Welch eine Leistung.
Schön ist auch zu sehen, dass Sie vorher eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert haben und sie danach im Bereich Immobilien unterwegs waren. Zur Zeit machen Sie sich einen Namen durch, aus meiner Sicht, wirklich grenz-wertige Äußerungen im Bereich Pflege. Kurz zu meiner Person. Ich bin 38 Jahre alt, arbeite als Prozessmanagerin und stellvertretenden Pflegedienstleitung in einer 137 Betten großen Seniorenresidenz, in der auch der Bereich Demenz und Palliativ mit viel Engagement, Fachlichkeit und Liebe versorgt wird.
Bevor ich den „Aufstieg“ wagte, habe ich selber jahrelang in der Pflege gearbeitet und meine zu wissen, wo sich die Probleme und auch Ressourcen verstecken.
Sie haben geäußert, dass Sie die Forschung gerne mehr unterstützen und finanzieren möchten, um eines Tages in der Lage zu sein, Demenz zu heilen.
Dies ist meiner Meinung nach ein absolut erstrebenswertes Ziel und ich hoffe und bete, dass genau das gelingt.
ABER…… …….
was Sie scheinbar vergessen haben, sind die vielen Tausend Menschen, die bereits an dieser Krankheit erkrankt sind und aufgrund dessen in den vielen Einrichtungen in Deutschland leben und auch täglich durch fachlich geschultes Personal, Betreuungskräfte und Pfleger/innen versorgt werden müssen.
Diese spezielle Pflege bedeutet täglich Schwerstarbeit für das gesamte Personal. Die Bewohner müssen validiert werden, sie benötigen medikamentöse Therapien und Anleitungen in allen Bereichen des täglichen Lebens.
Sie weinen teilweise wie kleine Kinder oder schlagen auch mal um sich. Sie zucken zusammen und krabbeln unter den Tisch, da sie gerade einen Hubschrauber hören und sich von der Erinnerung her wieder im Krieg befinden. Sie verstehen nicht, warum da eine Schwester, ein Pfleger kommt und sie zur Toilette begleitet. Plötzlich haben sie eine Inkontinenzvorlage um (Umgangssprachlich auch Windel). Und all dass, obwohl sie doch erwachsen sind. Sie sehen: dieses Thema könnte ich endlos weiterführen, allerdings bringt es nichts.
Was bitte bedeutet für sie würdevolles altern? Haben all diese Menschen nicht eine gute und adäquate Versorgung verdient? Mit ausreichend Personal, mit Fachlichkeit mit Zeit?
In der heutigen Zeit hören wir immer wieder die Frage: Ist der Mensch nur so lange etwas wert, wie er sich selbst finanzieren kann? Ich finde es sehr traurig, dass wir im Bereich Rente ganz hinten an sind und unsere Rentner, die für uns viel erarbeitet haben, zum Teil nicht von ihrer Rente leben können. Ich vermute bei ihnen sieht das anders aus!!!
Die Regierung hat sich großzügiger Weise bereit erklärt, 8000 neue Stellen im Bereich Pflege zu schaffen. Haben Sie vielen Dank dafür, es ist ein Anfang. Die Frage die sich mir allerdings stellt, wie stelle ich eine 0,6 Vollzeitstelle ein? Denn mehr ist es leider nicht, wenn ich die aktuellen Zahlen der stationären Einrichtungen zu Grunde lege.
Und Entschuldigung, aber die Ambulanten Dienste habe ich hier außer Acht gelassen. Es ist schön, dass sie einen Anfang machen wollen. Allerdings ist es immer schwer, ein Pferd von hinten zu satteln. Wer soll denn bitte noch in die Pflege gehen? Wir hatten durch die Regierung ja schon folgende Vorschläge: „Schleckerfrauen“, Immigranten und auch Langzeitarbeitslose oder die Chinesen. Zur Zeit gern der Versuch die ausländischen Fachkräfte zu integrieren.
Ich bin mir sicher, es finden sich noch einige andere Personengruppen die dafür zugänglich sind. Sinnig wäre es als allererstes, diesen Beruf interessant zu gestalten und den Pflegeschlüssel anzuheben, damit die Einrichtungen überhaupt die Möglichkeit haben, mehr Personal einzustellen. Dann sollte sicher am Gehalt gearbeitet werden.
Ja, auch andere Berufe haben schlechte Arbeitszeiten …. da gebe ich Ihnen recht….. aber schauen Sie doch dort bitte mal auf die Lohnabrechnung. Oder auch auf die Überstundenregelung. Ich möchte Sie gerne einladen. Kommen sie in „meine“ Einrichtung, besuchen Sie uns und schauen Sie uns bei der Arbeit zu.
Lassen Sie uns miteinander sprechen und gemeinsam mit wirklichen Fachleuten in der Pflege, nämlich uns, versuchen, eine Lösung zu finden. Ich bin wirklich zu sehr vielen Versuchen, Gesprächen und auch Ausarbeitungen von neuen Konzepten bereit.
Wenn Sie wirklich etwas ändern wollen Herr Spahn, dann kommen Sie und lassen Sie uns reden.

Ich freu mich auf Sie.

Mit freundlichen Grüßen, Ramona Ehlers

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Sehr geehrter Herr Jens Spahn. Erst einmal möchte ich Ihnen zu Ihrem neuen Amt als Gesundheitsminister gratulieren. Keine 40 Jahre alt und schon ein "großes Tier" in der Regierung. Hut ab. Ich habe mich nun seit dem 14.03.2018 etwas mit Ihrem Lebenslauf beschäftigt und möchte nochmals nachträglich, sowohl zum Bachelor (2008) als auch zum Master (2017) im Bereich Politikwissenschaften, an einer renommierten Fernuniversität gratulieren. Welch eine Leistung. Schön ist auch zu sehen, dass Sie vorher eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert haben und sie danach im Bereich Immobilien unterwegs waren. Zur Zeit machen Sie sich einen Namen durch, aus meiner Sicht,…

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