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Demenz: Mit Schneidebrett, Kochlöffel und Mehl Erinnerungen wecken

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Es duftet nach Apfel: Kochen weckt bei Demenzkranken verschüttete Erinnerungen (Foto: WGfS)

In der Filderstädter Wohngemeinschaft für Senioren leben die Bewohner wie in einer Großfamilie zusammen, auch die der Demenz-Station. Jeden Mittwoch helfen abwechselnd zwei bis drei der Senioren beim Zubereiten des Mittagessens. „Die Gruppengröße ist auf drei Teilnehmer beschränkt, weil Demenzkranke besondere Aufmerksamkeit benötigen“, sagt Pflegedienstleiterin Sabine Müller.

Von Tag zu Tag

Alexandra Allegro stellt die kleine Gruppe jeden Mittwochmorgen individuell zusammen. „Ich achte darauf, dass die Teilnehmer in einer guten Verfassung sind“, sagt die gelernte Hauswirtschafterin. Denn bei an Demenz Erkrankten wechselt die Tagesform: An einigen Tagen etwa gelingen alltägliche Dinge wie Tisch decken problemlos. An anderen weiß ein demenzkranker Patient womöglich nicht, was er mit Tellern, Löffeln und Gabeln anfangen soll. Dann wäre die Person mit der Kochstunde überfordert.

Bewohner geben sich gegenseitig Tipps zum Apfel-Schälen

„Es ist jedes Mal spürbar, wie viel Freude das Kochen den Älteren bereitet“, berichtet Sabine Müller. Weil Arbeiten, die langjährig ausgeführt wurden, bei einer Demenz-Erkrankung automatisiert ablaufen, fällt den meisten Senioren die Küchenarbeit leicht. Der Bewohner mit Wortfindungsstörungen etwa zerkleinert zügig eine Zwiebel. Für den Mann ein Erfolgserlebnis, auf das er jedes Mal sichtlich stolz ist.  Genauso wie sich seine Mit-Köchinnen freuen, wenn sie sich gegenseitig Tipps fürs Kartoffel- oder Apfelschälen geben.

Einfache Rezepte – Kochen wie früher

„Wir haben einfach gekocht“, so lautet der Name eines Kochbuchs, das in der WGfS-Küche steht. Die Autoren bereisten Seniorenheime in ganz Deutschland, um Lieblingsrezepte aufzuschreiben. So kamen 100 Rezepte zusammen: Von Klassikern wie Rouladen über regionale Gerichte wie Maultaschen bis hin zu Süßspeisen wie Dampfnudeln. Alexandra Allegro verwendet das Buch gerne: „Vergangenen Mittwoch kochten wir Kartoffelsuppe, die ist bei allen gut angekommen. Und auch die Ofenschlupfer – eine Süßspeise mit Weißbrot, Äpfeln und Rosinen – haben allen geschmeckt.“

Kochtage gehören in jedes Pflegeheim

Das gemeinsame Mittwochs-Kochen gehört schon lange zum Programm der Wohngemeinschaft für Senioren. „Als ich vor neun Jahren hier anfing, gab es den Koch-Tag bereits“, erzählt Alexandra Allegro. Auch wenn das Kochen mit den Bewohnern für sie inzwischen Routine sei, freut sie sich – zusammen mit den Senioren – jeden Mittwoch auf Neue auf das gemeinsame Werkeln in der Küche.