Anerkennung Pflege - Weil Pflege mehr ist !

Interview mit Jana Langer zum offenen Brief an Angela Merkel

Auszüge aus der Pressekonferenz vom 23.01.2017

Frage: Derzeit kursiert ein offener Brief einer Krankenschwester an die Bundeskanzlerin – auch im Internet und in den Medien -, in dem sie auf das Problem der Pflegekräfte hier im Land aufmerksam macht. Sie schreibt, dass sie hochmotiviert gewesen sei, aber letzten Endes eine menschenwürdige Arbeit nicht mehr möglich sei.

An Herrn S.: Hat dieser offene Brief, dieser Hilferuf, die Bundeskanzlerin schon erreicht?

An das Bundesgesundheitsministerium: Die Krankenschwester hat bereits vorher einen Brief an Ihr Ministerium geschrieben. Auf diesen Brief hat sie nie eine Antwort bekommen. Warum hat sie die nicht bekommen? Was muss getan werden, um diese Zustände entsprechend zu verändern, wenn selbst hochmotiviertes Personal offenbar nicht in der Lage ist, das zu tun?

StS S.: Die Bundeskanzlerin beschäftigt sich sehr mit der Situation der Pflegekräfte, der Mitarbeiter im deutschen Gesundheitswesen, weil sie, wie sie neulich in einem Podcast ja sehr deutlich gesagt hat, diese Menschen für eine tragende Säule unseres Gesundheitswesens hält. Sie setzen sich ein für Menschen, die Hilfe benötigen; man kann sagen, dass sie oft die Arbeit von stillen Helden tun. Deswegen gebührt ihnen größte Anerkennung. Das hat die Bundeskanzlerin in dem Podcast – ich glaube, Mitte Dezember war es – auch ausgedrückt. Ihnen gebührt aber eben nicht nur Anerkennung, sondern ihnen gebühren vor allem auch gute Arbeitsbedingungen.

Der Sprecher des Gesundheitsministeriums kann dazu jetzt sicherlich sehr viel mehr sagen. Ich kann nur einige Stichpunkte nennen, die Ihnen zeigen, dass die Bundesregierung in ihrer gesundheitspolitischen Arbeit genau das auch im Blick hat: Das Krankenhausstrukturgesetz gibt Kliniken bis zu 830 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr, um dauerhaft mehr Personal zu beschäftigen. Es gibt ein Pflegestellenförderprogramm, das ebenfalls mit großen Summen eingreift, um genau das, nämlich eine bessere Personalausstattung, zu ermöglichen. Ab 2017 erhalten die Krankenhäuser einen Pflegezuschlag von insgesamt 500 Millionen Euro, der nach den Pflegepersonalkosten der einzelnen Häuser verteilt wird. Damit bekommen die Krankenhäuser also auch einen Anreiz, eine angemessene personelle Pflegeausstattung vorzuhalten.

Man kann also sagen: Der Bund hat die Rahmenbedingungen für die Krankenhäuser verbessert. Es ist jetzt an den Ländern und auch an den einzelnen Krankenhausträgern, aktiv zu werden, um die Pflegesituation in den einzelnen Krankenhäusern vor Ort noch konkret zu verbessern. Aber die Richtung ist die, die die Bundesregierung eingeschlagen hat und in verschiedenen Maßnahmen auch ausdrückt.

Hr. E.: Zunächst einmal kann ich Ihnen grundsätzlich versichern, dass alle Schreiben, die an den Minister oder an unser Haus gerichtet sind, auch beantwortet werden.

Ich kann in Ergänzung zu den Ausführungen von Herrn S. noch einmal ganz deutlich machen, dass eine gute Versorgung und Pflege im Krankenhaus ganz klar nur dann gelingen kann, wenn auch ausreichend Personal zur Verfügung steht. Die Verbesserung der Personalsituation in der Patientenversorgung war ein zentraler Bestandteil der Krankenhausreform, die wir in dieser Wahlperiode auf den Weg gebracht haben. Herr S. hat es gesagt: Wir haben mehrere Stellschrauben angesetzt, um die Personalsituation in den Krankenhäusern zu stärken; wir haben das sozusagen finanziell und qualitativ auf den Weg gebracht.

Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass sozusagen zur langfristigen Sicherstellung der Personalkostenfinanzierung im Rahmen der Krankenhausreform vorgesehen ist, dass die steigenden Kosten der Krankenhäuser infolge von Tarifabschlüssen, die die Obergrenze für Preiszuwächse überschreiten, künftig hälftig von den Kostenträgern zu refinanzieren sind. Das wird also auch noch einmal dazu führen, dass es gerade im Bereich der Personalausstattung zu Verbesserungen kommt. Insbesondere ist eine Expertenkommission bei uns im Haus, die sich mit dem Thema Pflegepersonal im Krankenhaus und mit der Frage, wie man das im Rahmen des bestehenden Entgeltsystems besser abbilden kann, beschäftigt. Die Arbeit dieser Expertenkommission läuft noch, und die Ergebnisse werden dann auch ein Beitrag dazu sein, dem erhöhten Pflegebedarf in Krankenhäusern gerade bei demenzerkrankten, pflegebedürftigen und behinderten Patienten entgegenzukommen.

Noch einmal zusammenfassend: Wir befinden uns in diesem Bereich nicht in einem luftleeren Raum. Wir haben zahlreiche Maßnahmen ergriffen und haben zahlreiche Stellschrauben. Wie Herr S. es richtig sagte: Das muss jetzt vor Ort in den Häusern gelebt werden, es muss umgesetzt werden, die Mittel müssen fließen, sodass das unmittelbar auch den Pflegekräften vor Ort zugutekommt.

An uns persönlich noch eine kleine Abschlussnachricht:

Und da schreibst du dir die Probleme von der Seele …und dann das

Mein öffentlicher Brief hat Wellen geschlagen, auf einmal wie auch immer aber er schlägt Wellen. Presseanfragen, Telefoninterviews, Patienten schreiben mir ihre Sorgen und auch Anerkennung, Kollegen beglückwünschen mich für den Mut.

Mut hatte ich gar keinen, ich wollte es nur nochmal loswerden, dass das solche Wellen schlägt hätte ich nie gedacht. Pflegenotstand seit Jahren ist dieses Thema immer wieder auf dem Tablett, vor allem wenn Wahljahr ist. Ups….. wir haben Wahljahr…na dann…

Bleibt die Hoffnung: Liebe Kollegen steht auf…manchmal reicht ein kleiner Tritt und man bewegt etwas! Und jetzt da mein Tritt schon mal Gehör gefunden hat…lasst mich nicht allein und tretet mit!

Liebe Grüße

Jana, die die den Brief schrieb…

Wir danken dir Jana für deine offenen Worte und deinen Mut.

Mit freundlichen Grüßen

euer Team